Juli 2016

Die Mutgeschichte im Juli haben wir Johanna gewidmet.

Johanna war ein Volltreffer.
Als die junge Frau aus Wien im April 2015 als Praktikantin zu uns kam, betrat sie das Haus, als würde sie schon seit Jahren hierher gehören. Sie strahlte unbändige Neugier, Euphorie, Tatendrang und Heiterkeit aus, die ansteckend waren. Wer auch immer mit ihr zu tun hatte, mit ihr arbeiten, herumblödeln, sprechen, Behördengänge oder Einbettungen machen durfte, hatte danach ein Lächeln im Gesicht. Total mutig und ohne irgendwelche Vorbehalte ließ sie sich auf alle und alles ein.
Sie dachte mit, verstand in Windeseile, worauf es ankommt, war im genau richtigen Moment ernst und im genau richtigen Moment witzig.

In ihrem riesengroßen Herzen war Platz für ihre Kollegen und für unsere Kooperationspartner, für die Verstorbenen und für die trauernden Menschen. Ausnahmslos alle hat sie um den Finger gewickelt.

Unvergesslich ihr Gesicht, als wir sie fragten, ob sie im Juli als Bestatterin bei uns anfangen wolle. „Ist das euer Ernst? Ich fasse es nicht.“ In diesem Moment ging ihr großer Traum in Erfüllung. Da hatte sie ihr Ziel erreicht. Es war so schön zu sehen, wie sie sich freute, von ganzem Herzen. Und wir freuten uns auf sie.

Als sie sich verabschiedete, dachten wir, es wäre nur für eine kurze Zeit. Alex spielte und wir sangen für sie: Sag beim Abschied leise Servus. Wer hätte geahnt, dass dies unsere letzte Begegnung war.

Wenige Stunden vor ihrem Tod schrieb sie begeistert und in Aufbruchsstimmung: „Gemma! Jetzt wird ausgemistet. Stuttgart ruft.“ Und sie verlinkte ein Lied mit dem Titel „On my way home“. Ja, da stand sie tatsächlich vor dem großen Aufbruch. Aber ihr Weg führte nicht zu uns.

Fassungslos über ihren plötzlichen Tod standen wir am 10. Juni an ihrem Sarg, unendlich betrübt und doch auch dankbar dafür, dass es sie gab, dass wir ihr begegnen durften. Noch einmal nahmen wir sie in unsere Mitte und versprachen ihr, dass sie einen Platz haben wird in unseren Herzen, in unserem Team, für alle Zeit.
Wir wissen sie geborgen in den Herzen der Menschen, die sie lieb haben, geborgen auch im neuen Leben.

Servus, Johanna, leb wohl.

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