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Januar 2016

Die Mutgeschichte im Januar kommt von Daniela.

Was ist eigentlich Mut?
Als ich von diesem Projekt erfuhr, fand ich die Idee auf Anhieb toll. Ich fühlte mich auch sofort
angesprochen, daran teilzunehmen. Vor meinem eigenen Hintergrund habe ich mich gefragt, was Mut
eigentlich ist. Oft habe ich z.B. schon gehört: „Den Job, den Du machst, könnte ich nie machen!!“ Die
Betreuung behinderter oder psychisch erkrankter Menschen habe ich nie als etwas Mutiges
empfunden. Für mich war es selbstverständlich, sah ich doch immer die einzelne Person und nicht
deren Behinderung oder Erkrankung.
Nun hat sich aber im vergangenen Jahr bei mir einiges verändert. Ich bekam die Diagnose
Depressionen. Diese Erkrankung stellte mich seitdem immer wieder vor große Herausforderungen.
Erstaunlicherweise war es für mich selbstverständlich und auch wichtig, damit offen umzugehen und
mein Umfeld darüber zu informieren. Ich habe diesen Schritt erstaunlicherweise auch nicht als mutig
empfunden. Die Depressionen stellten aber eine ganz andere Herausforderung an mich. Zum ersten
Mal in meinem Leben musste ich für viele Dinge sehr viel Mut aufbringen, die sonst alltäglich sind. Ich
konnte auf einmal nicht mehr alleine einkaufen, bekam fast Panik, wenn ich zu lange viele Menschen
um mich herum hatte. Ich erkannte mich oft selbst nicht wieder. Eine meiner größten
Herausforderungen war es für mich häufig, mich selbst auszuhalten. So hatten die Depressionen doch
immer wieder etwas Neues auf Lager, wenn ich gerade glaubte, mich damit einigermaßen arrangiert
zu haben und nun an einer Verbesserung meines Zustands arbeiten zu können. Diese immer neuen
Facetten machten mich wahnsinnig. Ich fühlte mich regelmäßig hilflos einer für mich
unkontrollierbaren Situation ausgesetzt. Es machte mir Angst, als ich auf einmal darüber nachdachte,
dass es doch einfach wäre, sich ins Auto zu setzen und gegen den nächsten Baum zu fahren. Was
ging da nur in meinem Kopf vor? Ich wollte doch eigentlich gar nicht sterben! Trotzdem war die
Versuchung da. Dies war und ist für mich Mut. Mut, mich der Situation und den damit verbundenen
Herausforderungen zu stellen. Für mich sind seitdem viele „einfache“ Dinge des Lebens „besonderer“
geworden. Insofern bin ich meinen Depressionen auch dankbar für den neuen Blickwinkel, mich mehr
über die wirklich kleinen Dinge des Lebens freuen zu können.
Und trotzdem glaube ich noch immer nicht, dass mein Beruf Mut erfordert. Schon irgendwie komisch
und doch finde ich diese unterschiedlichen Empfindungen spannend. Vielleicht ist Mut ja auch einfach,
das Leben als solches anzunehmen und sich den damit ergebenen Herausforderungen zu stellen….
Ich bin auf meinem Weg und schaue, was noch so auf mich zu kommt.

 

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12194661_10201024137643540_3419553330339606214_o© Franziska Molina