Demut, Mut und Wagemut

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© Franziska Molina

Früher habe ich gerne Biografien von „Großen“ und „Berühmten“ gelesen. Mein Beruf hat mich dann bald gelehrt, dass jedes Leben einzigartig ist, dass es in jedem Leben Großartiges und Erstaunliches gibt und man über jeden Menschen ein atemberaubendes Buch schreiben könnte. Zugleich stelle ich immer wieder fest und finde es sehr schade, dass viele Menschen nicht viel von sich halten.

Auch mir fällt es leicht, zu sagen, was ich an anderen Menschen toll und schön und beeindruckend finde. Wenn ich mich aber selbst betrachte, sehe ich zunächst das Bruchstückhafte, das, was ich nicht an mir mag oder gerne besser könnte.

Das Mutgeschichten-Projekt fordert auch uns als „Veranstalter“ heraus, nach unserem Mut, nach unseren mutigen Schritten zu fragen. Spontan dachte ich, dass ich nicht viel Mutiges vorzuweisen hätte. Dann habe ich festgestellt, dass ich eine ganz diffuse Vorstellung von „Mut“ habe und ging erstmal der Frage nach, was das eigentlich ist.

So entstand für mich diese Definition: Mut ist für mich Vertrauen in mich und ins Leben, auch wenn ich gerade nicht sehe, wo es langgehen soll. Mut ist für mich auch, Dinge in Angriff zu nehmen, die ich für wichtig oder richtig halte, obwohl sie mir Angst machen oder schief gehen könnten. Authentisch zu sein, gegen den Strom zu schwimmen, „uncool“ zu sein, nicht jedem um jeden Preis gefallen zu wollen, finde ich mutig. Manchmal ist es mutig, aufzugeben, loszulassen…

Wenn ich mein bisheriges Leben nun vor diesem Hintergrund betrachte, stelle ich fest, dass ich ein ausgesprochen mutiger, bisweilen auch wagemutiger Mensch bin. Das Vertrauen in mich selbst darf noch stärker werden, aber mein Vertrauen ins Leben ist nahezu grenzenlos. Entscheidungen zu treffen, auch große und folgenschwere, fällt mir ausgesprochen leicht (zu leicht?), und ich kann die daraus resultierenden Konsequenzen akzeptieren. Umso mehr, als es in der Summe positive Konsequenzen waren. 😉 Ich musste bislang selten scheitern oder verlieren, aber wenn, dann habe ich’s geschluckt, bin aufgestanden und weitergerannt. Hoffentlich ein wenig weiser. Auf jeden Fall stärker. Um Authentizität bemühe ich mich aufrichtig. Um ganz authentisch zu sein, muss ich aber noch herausfinden, wer und wie ich wirklich bin. Gegen den Strom schwimme ich in vielerlei Hinsicht, das hat schon im Kleinkindalter begonnen und wird, wenn ich meinen Eltern, die glaubwürdig sind, Glauben schenken darf, tendenziell schlimmer. Das steht in einem gewissen Widerspruch zu meinem ziemlich großen Wunsch nach Harmonie und danach, gemocht zu werden. Wenn beides zugleich nicht zu haben war, habe ich mich dafür entschieden, Kurs zu halten. Darum sagen viele, ich sei konsequent. Wenn man meine Familie fragt, ist die Rede von hoffnungsloser Sturheit und Dickköpfigkeit. Aufgeben und loslassen… Hm… Das sind gewiss nicht meine Königsdisziplinen, was wiederum Fluch und Segen bedeutet. So sind die Dinge eben, – sie haben meist mehr als ein Gesicht, eine Seite, eine Wahrheit. Und es muss ja auch Lernfelder geben. Ich will lernen, rechtzeitig auf- bzw. abzugeben, und ich will lernen, loszulassen ohne fallenzulassen.

Ein Kommentar zu “Demut, Mut und Wagemut

  1. Das ist insgesamt ein mutmachender Artikel, danke dafür ! Allerdings macht mich die Aussage : „Gegen den Strom schwimme ich in vielerlei Hinsicht“ ein wenig neugierig . – Wo und wie schwimmen Sie „gegen den Strom“ ?

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