Mut 3.0

Seitdem das Projekt läuft, bemüht sich das Leben eifrig, uns immer wieder alle möglichen Fragestellungen zum Thema „Mut“ zu präsentieren. Gelegenheiten, selbst mutig zu sein oder sich zu fragen, was Mut eigentlich ist. Wir haben viel gelernt in diesen fünf Wochen. Mut ist nicht mess- oder vergleichbar, immer etwas Individuelles. Mut ist nicht gleich Erfolg. Der Mut ist nicht weniger groß oder wert, nur weil man scheitert. Manchmal kann man mit allem Mut auch gar nicht „erfolgreich“ sein, etwa, wenn es um das eigene Ende oder das Sterben nahestehender Menschen geht.

Was mich ein bisschen schockiert und traurig macht: bei vielen Menschen ist die Reaktion auf das Projekt: Ich bin nicht mutig. Ich kann euch nichts anbieten. Aber der Mut fühlt sich vielleicht auch nicht als solcher an, wenn man ihn hat.

In den vergangenen Tagen habe ich oft gehört, ich sei mutig. Dabei fühlt es sich gar nicht so an. Ich habe einfach keine andere Wahl. Oder mit dem albernen Kanzlerwort gesagt: es ist „alternativlos“.

Und dann? Ich atme durch. Ich nehme Anlauf. Ich kalkuliere. Ich hole mir Hilfe. Ich spreche mit meinen Freunden. Ich sage ihnen, dass ich Kraft brauche. Ermutigung. Die Möglichkeit mich auszusprechen. Zu weinen. Ich bin unendlich froh, dass es so viele Menschen in meinem Leben gibt, mit denen das möglich ist.

Einer von ihnen fehlt nun. Danke, dass Du so lange Jahre für mich da warst …

Magnolienblüte

(Foto: Günther Flaig)

3 Kommentare zu “Mut 3.0

  1. Das ist genau das, was ich meinte… Was ist mut? Ich zum beispiel höre viel was ich doch mutig war, diesen schritt so gegangen zu sein…. Für mich eine selbstverständlichkeit, die mich wirklich meinen lebenswillen und glauben gekostet hat… Also, was ist mut? Mut zu sagen, was ich denke? Mut zu sein wie ich bin? Mut zu haben ein behindertem kind das leben zu schenken? Mut zu haben nicht mit der allgemeinheit zu schwimmen, sondern das zu sein, was das leben aus einem gemacht hat? Ich weiß es nicht…

  2. Ja, Sandy … ich glaubte, ich hätte es verstanden, als Du es sagtest – aber ich habe erst wirklich begriffen, was Du meintest, als ich jetzt selbst in einer solchen Situation war …

  3. anne-kathrin hillebrand…
    ist es nicht schlimm, dass man es erst zu schätzen weiß, wenn es nicht mehr da ist??? mein leben war noch nie wirklich toll… das einzigst schöne in dieser zeit waren meine kids… alles lief „normal“… und dann kam meine maus… und von jetzt auf gleich hatte ich das „normale“ leben nicht mehr… es war durch sie eben anders „normal“… klar war es am anfang schwer mit umzugehen, aber ich wuchs an der aufgabe… auch als es hieß „austherapiert“, versuchte ich trotz meiner angst alles zu tun, dass sie eben keine hat… und jedem, dem ich gesagt hab, dass es das thema engelwerden ab diesem tag gab, kam immer „ich könnte das ncht“! aber warum nicht??? ich habe immer offen mit ihr geredet… so klein sie war… sie wußte sie hat krebs und ging sehr selbstverständlich damit um… ich habe einfach nur das getan, was ich als richtig gefühlt habe… als dankeschön hat sie mir die tollsten knapp 5 jahre geschenkt… es ist eben so… was für mich „normal“ war, ist für viele „mutig“… und ich wußte von anfang an, dass sie sterben wird… die frage war nur wann!!! ich habe es gefühlt… auch wenn ich die hoffnung bis zum schluß nie aufgegeben hab…

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.