Ich setzte meinen Fuß in die Luft, und sie trug.

Hilde Domin

© punktfilm Anna Ditges Köln 2007

Die Dichterin Hilde Domin

Kleines Porträt einer Mutmacherin

Hilde Domin wurde 1909 in Köln als Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts geboren. Sie studierte Jura, politische Wissenschaften, Soziologie und Philosophie. Schon 1930 trat sie der SPD bei, sah sich später aber auch als Vordenkerin der Grünen.

Sie erlebte Hitler als Studentin in Berlin, hatte „Mein Kampf“ gelesen und sah voraus, dass er seine Ansichten in die Tat umsetzen würde. 1932 emigrierte sie zusammen mit ihrem späteren Mann nach Italien, wo sie promovierte. Ende der 30er Jahre wurden auch in Italien Juden als Staatsfeinde diffamiert und Rassengesetze erlassen. Hilde Domin floh 1939 nach Großbritannien, ein Jahr später in die Dominikanische Republik. Dort unterstützte sie ihren Mann, der die ibero-amerikanischen Altertümer erforschte, tippte und übersetzte seine Arbeiten und dokumentierte sie fotografisch.

Nach dem Krieg begann sie zu schriftstellerisch zu arbeiten. Der zunehmenden seelischen Vereinsamung und Entfremdung von ihrem Mann setzte sie ihr Schreiben entgegen, das sie nach dem Tod ihrer Mutter 1951 vor dem Selbstmord rettete. Sie sah sich als „eine Sterbende, die gegen das Sterben anschrieb“.

1954 kehrte Hilde Domin nach Deutschland zurück und widmete sich in erster Linie ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. In einem Interview 1986 antwortete sie auf die Frage, wie viel Mut ein Schriftsteller benötige:

Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut. Den, er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.

Ihre Erfahrungen als Zeitzeugin des 20. Jahrhunderts hat Hilde Domin in Dichtung verwandelt, indes nicht in Anklagen, sondern  in „Lieder zur Ermutigung“. Ihre Texte richten sich gegen Konformismus, Mitläufertum, Anpassung und fordern auf zu Zivilcourage und Solidarität mit den Schwachen und Verfolgten.

2006 starb sie in Heidelberg. Sie wurde auf dem Heidelberger Bergfriedhof, im gleichen Grab wie ihr 1988 gestorbener Mann, beigesetzt. Die Zeilen aus ihrem ersten Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“ finden sich in abgewandelter Form auch auf ihrem Grabstein:

Wir setzten den Fuß in die Luft
und sie trug.

Quellen: