16 Kommentare zu “Ganz und gar man selbst sein …

  1. Ganz und gar man selbst sein…. dieser Satz ließ mich in den vergangenen Tagen nicht los. Die Gedanken kreisten um die Frage, ob Mut stets etwas Aktives ist, ob das Selbst sein immer mit Handeln verbunden werden muss. Manchmal kann es doch auch sehr mutig sein, wenn man Situationen und Ereignisse einfach lernt auszuhalten. Wenn man erkennt, dass im Moment ein Handeln weniger sinnvoll ist. Wenn also die Erkenntnis sich in Mut verwandelt und sich im Prozess des Abwartens und Nachdenkens eine Lösung manifestiert, die nachhaltig und reif ist.
    Eine stille und unspektakuläre Form des Mutes, die es dem Nachdenkenden möglich macht, die Perspektiven zu wechseln und so neue, nie geahnte Gedanken zu denken.
    … und ganz und gar bei sich selbst zu sein.

  2. „Eine stille und unspektakuläre Form des Mutes“ kann ich hier nicht erkennen, Anja ; hab`ich ein Brett vorm Kopf ? Intensives Nachdenken zum Finden einer nachhaltig reifen Lösung halte ich für eine Selbstverständlichkeit . Ist es wirklich mutig, ganz bei sich selbst zu sein – um sich selbst zu kreisen und die Mitmenschen aus dem Blick zu verlieren ? … sorry, mir fehlt das Verständnis, eventuell erklärst Du etwas verständlicher ?

  3. Gerne versuche ich, meine Gedanken verständlicher zu formulieren.
    Meines Erachtens braucht es schon einen gewissen Mut, intensiv nachzudenken, sich zu trauen, verschiedene Blickwinkel zu beleuchten. Denn es könnte ja auch etwas dabei herauskommen, dass man zunächst als unangenehm oder fremd empfindet. Darum habe ich diese Art von Mut „still und unspektakulär“ genannt, er findet im Inneren statt und wird nicht wie bei einem Bungeesprung z.B. sofort von außen als Mut erkannt.
    Dies auch in Bezug auf Deine Anmerkung, intensives Nachdenken sei selbstverständlich. Die meisten Menschen (ich auch) neigen zu impulsiven Entscheidungen, manche bereut man später. Traue ich mich aber, mir Zeit zu nehmen, nachzudenken, habe ich eine größere Chance eine ausgewogene Entscheidung zu treffen.
    Zum 3. Punkt Deiner Anmerkung, ob ein bei sich selbst sein wirklich mutig ist: ich fürchte, wir haben unterschiedliche Definitionen als Gesprächsgrundlage.
    Ganz bei sich selbst zu sein heißt für mich nicht, andere aus dem Blick zu verlieren, ganz im Gegenteil. Gelingt es mir, ganz bei mir selbst zu sein, bin ich im Reinen mit mir. Dann erst wird der Blick für andere und deren Bedürfnisse frei. Ich muss eben nicht mehr um mich selbst kreisen, sondern habe freie Energien für andere. Der Weg dahin, das Erkennen von Persönlichkeitsaspekten, die ich lieber nicht kennenlernen wollte… das erfordert Mut. Den Mut, sich selbst zu betrachten und zu erkennen, das man eben nicht der Nabel der Welt ist.

  4. Ich bin begeistert, wie viele neue Aspekte die Diskussionen hier zutage fördern! Stimme Dir zu, Anja, manchmal gehört ganz schön viel Mut dazu, nur da zu sein, stehen zu bleiben, Dinge auszuhalten, nicht wegzulaufen. Manchmal ist es mutig, sich der Kritik zu stellen, Fehler einzugestehen, Konflikte auszuhalten. Mut gehört vielleicht auch dazu, einen kranken oder sterbenden Menschen zu begleiten, nur da zu sein, ohne etwas ändern zu können.

    Vielleicht sollte wir neben „Mutige-Schritte“ auch noch „Mutiges-Stehenbleiben“ ins Leben rufen … 😉

  5. Diese diskussion hatte ich oft… Wie oft wurde zu mir gesagt, so wie du mit dem umgehst, dass könnte ich nicht! Warum nicht? Es ist nunmal wie es ist… Auch viele habe ich vor den kopf gestoßen mit meiner art, mit tod und derartigem umzugehen… Für mich klang es wie hohn, als die politiker sich mal mit dem thema sterbehilfe auseinander setzen… Die haben doch keine ahnung, was es heißt, soetwas auszuhalten… Ich habe mich mit so vielen dingen auseinander setzen müssen… Auch wie schaffe ich es, dass mein engel keine angst vor dem sterben hat? Oder was möchte sie mitnehmen etc… Klar, für außenstehende mag das befremdlich klingen, aber für mich war es sehr wichtig zu wissen, wie und was alles mitgenommen werden soll… Aber das wichtigste ist für mich, so schlimm das auch jetzt noch für mich ist, ich bin absolut im reinen und habe auch nichts vergessen… Wir haben auch keine unfertigen dinge sondern sind in liebe voneinander gegangen… Ich bin tatsache an diesem tag stehen geblieben… Ich weiß nicht, wie ich das alles geschafft hab, aber für mich war oder ist es selbstverständlich das ich so gehandelt hab und möchte damit erreichen, dass auch andere dieses machen um ihren kindern so die angst vorm sterben zu nehmen, denn egal wie alt die kinder sind, sie wissen es… Auch wenn es schwer ist dieses zu sagen, aber umso „friedlicher“ schlafen sie ein…

  6. oh Sandy ! …. Du bringst hier einen Aspekt in die Runde, der mir „zufällig“ (es gibt keine Zufälle ! ) seit ein paar Tagen durch den Kopf „wuselt“ .
    Obwohl ich so übermütig war, fünf Kindern „das Leben zu schenken“ , blieb mir ein solch schweres Schicksal wie das deine erspart . … Wir alle wissen, dass mit der Zahl rein statistisch auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich schwere Schicksalsschläge einstellen …
    …nur entfernt kann ich ahnen, durch welche Qual Du gegangen bist , und Du hast dich offenbar als stark …. sehr stark erwiesen .

    …. nun ….. das Motto dieser Seite und dieses Projektes lautet „Mut“ …. möchte nicht den Mut derer herunterspielen, die Verstorbene würdig bestatten und einfühlsam die Hinterblieben begleiten … aber …. wer über sich selbst hinauswachsen möchte, sollte evtl die Sterbebegleitung in Erwägung ziehen ? … und ja – ich weiss : damit lässt sich kaum Geld verdienen … coaches raten wohl eher ab ………

  7. Wenn das Herz eine Aufgabe stellt, wie im Beispiel von Rubiyn mit der Sterbebegleitung, dann wird kein Coach der Welt das verhindern können und ein guter Coach erst gar nicht wollen.
    Bei den wirklich mutigen Schritten im Leben geht es ja auch nicht um den wirtschaftlichen Erfolg, zumindest nicht in erster Linie. Stellt er sich in Folge ein, ist das jedenfalls nichts Verwerfliches.
    Sandy hat in ihrer Lebensgeschichte zweifelsohne unglaublichen Mut gezeigt, sie hat sich den Aufgaben gestellt und ist sich selbst stets treu geblieben. Davor ziehe ich mit großer Achtung den Hut.
    Aber lieber Rubiyn:
    Andere Menschen, mit anderer Lebensgeschichte bringen auf andere Weise großen Mut auf. Ich sträube mich sehr, die verschiedenen Arten von Mut aufzuwiegen oder gar zu bewerten.
    X hat Schlimmes erlebt, also ist er/sie mutiger als Y? A hat mit einem beherzten Sprung ein Leben geretten, also ist er/sie mutiger als alle anderen?
    Das Projekt „Mutige Schritte“ ist ein Projekt der Vielfalt. Jede Geschichte ist individuell, aber nicht exklusiv.
    Dieses Projekt ist kein Preisausschreiben, oder gar eine Bühne für Menschen mit Geltungsdrang. Es soll vielmehr ermutigt werden, sich seiner eigenen, ganz individuellen Schritte gewahr zu werden. Sozusagen ein Projekt der Inklusion.
    Und by the way: fünf Kinder zu erziehen ist ein sehr mutiges Unterfangen, das kann auch nicht jeder leisten. Respekt!

  8. robiyn…

    ich habe es mir sogar gewagt 6 kids das leben zu schenken… und bis auf ein einziges schwarzes schaf bin ich relativ zufrieden, so wie sie geworden sind… ich war halt einfach zu verwöhnt mit den ersten 4ren… da lief alles „normal“… von den schwierigkeiten mal abgesehen… und dann kam mein engel und veränderte meine sichtweise… die letzte ist auch „behindert“… und ganz ehrlich… ich hätte mir das vor meinem engel nie zugetraut, ein „behindertes“ kind zu haben… und mittlerweile seh ich das so, dass die eine gehen mußte, damit die andere leben kann… aber auch diese für mich erklärung macht das ganze auch nicht wirklich erträglicher…

    was das thema bestatter angeht, kann ich jetzt nur von meinem fall ausgehen…
    ich hatte, bevor mein engel gegangen ist jemand, der mir frau rolf empfohlen hat… und lange bevor es so war, habe ich schon kontakt zu ihr gehabt und das wichtigste für mich besprochen… und ich bin froh, dass es sie war, denn soviel einfühlvermögen braucht man in einer solchen lage…. ich war nicht wirklich fähig, einen klaren gedanken zu fassen und hab das meiste ihr überlassen und bin nicht enttäuscht worden…
    ich denke, auch kleine gesten macht es wertvoll und ich finde es wichtig, dass man vertrauen hat und mit wenigen mitteln was „tolles“ zaubern kann…

  9. Liebe Sandy ,

    auch mit dem Thema „Behinderung“ wurden wir latent konfrontiert, und so kann ich deiner mutigen Entscheidung zu einem 6. Kind garnicht genug Respekt zollen …

    ….. nach einem Ultraschallbild im frühen Stadium eröffnete uns der Arzt, dass wir uns darauf einstellen müssten, dass unser 3. Kind „anders“ sein würde …. Schock ! …. für uns war es selbstverständlich, dass wir uns auch dieser Herausforderung stellen …. aber dann … Fragen über Fragen … das Thema wurde komplexer : da waren schon zwei, die unsere Fürsorge brauchten – würden wir ihnen weiterhin gerecht werden können, wenn ihr Geschwister unsere ganze Zuwendung brauchen würde ? …. was würden wir dem „behinderten“ Kind zumuten … wie stark die Einschränkungen ? …. stand da ein Lebensweg oder ein Leidensweg bevor ? … und, und, und ….

    …. wir entschieden uns, keine weiteren Untersuchungen durchführen zu lassen … Fruchtwasser usw …. so, wie`s kommen sollte, würde es recht sein …..

    …. und da war ein langes Bangen, ein „mulmiges Gefühl“ bis zum Tag der Geburt .

    Nun – unsere Tochter ist völig gesund zur Welt gekommen – ich kann garnicht genug danken dafür ….

    …. und noch heute frage ich mich, ob der Arzt damals falsch diagnostiziert hat, oder ob sich eine Wende ereignete in der weiteren Entwicklung unserer Tochter … alles halte ich für möglich ……

  10. Anja ….. “ In meinem Buch „Werde, was du kannst!“ habe ich 21 Menschen porträtiert, die sich selbstständig gemacht haben und mutig neue Wege gegangen sind. Für einige von ihnen war der mutigste Schritt, ihre sichere Stelle aufzugeben. Für andere kam die Mutprobe erst nach der Gründung. Lassen Sie sich inspirieren, von Ihren eigenen mutigen Schritten zu berichten. “ …. die Tendenz ist wohl klar …. 21Menschen …. 21 Menschen, die sich „selbstständig“ gemacht haben … und was ist mit den unzähligen anderen ?! …. kein Wunder, dass zumindest ich Kommerz wittere hinter diesem „mutigen“ Projekt ……

  11. ich denke, dass viele jeden tag mutiges tun, aber es wie ich als normal betrachten, dieses so zu tun… ich bin auch einer unter vielen, dem das so passiert ist… naja, bis auf die letzte konsequenz… die wollte mein engel hardcore… aber auch das war ihr weg, den sie mit mir so gehen wollte… ich sehe mich nicht als irgendwas mutiges, sondern einfach eine mama, die alles für ihre kinder tut und das sollte doch selbstverständlich sein und nicht als etwas besonderes… wieviele tragen das gleiche schicksal??? nur ich bin eben ein mensch, der sich deswegen nicht „schämt“ oder versteckt, sondern offen darüber redet…
    schade nur, dass es nach wie vor ein tabu ist, offen auch über solche dinge zu reden und deshalb bin ich so wie ich bin…

  12. „Dont you know, theyre talkin ’bout a revolution
    It sounds like a whisper
    Dont you know, theyre talkin ’bout a revolution
    It sounds like a whisper

    While theyre standing in the welfare lines
    Crying at the doorsteps of those armies of salvation
    Wasting time, in the unemployment lines
    Sitting around, waiting for a promotion

    Don’t you know, they’re talkin ’bout a revolution
    It sounds like a whisper
    Poor people gonna rise up and get their share
    Poor people gonna rise up and take whats theirs

    Don’t you know, you better run, run, run, run, run
    Run, run, run, run, run, run, run
    Oh, I said you better, run, run, run, run, run, run, run
    Run, run, run, run, run

    ‚Cause finally the tables are starting to turn, talkin ’bout a revolution
    ‚Cause finally the tables are starting to turn, talkin ’bout a revolution, oh no
    Talkin ’bout a revolution ,oh

    While they’re standing in the welfare lines
    Crying at the doorsteps of those armies of salvation
    Wasting time in the unemployment lines
    Sitting around waiting for a promotion

    Don’t you know, theyre talkin ’bout a revolution
    It sounds like a whisper

    And finally the tables are starting to turn, talkin ’bout a revolution
    Yes, finally the tables are starting to turn, talkin ’bout a revolution, oh no
    Talkin bout a revolution, oh no, talkin bout a revolution, oh no“

    zur Entspannung mal `ne Qizzfrage : wer hat das gesungen ? … you better run, run, run ! …. finally the tables are gonna turn … dann is aus mit Schicki-Micki-Mut !

  13. Lieber User „Rubiyn“,

    wenn ich mir Gäste nach Hause einlade, gehe ich davon aus, dass sie sich an bestimmte Regeln des menschlichen Zusammenlebens halten und eine gewisse Etikette beachten. Wenn das auch nach mehreren Aufforderungen nicht der Fall ist, mache ich von meinem Hausrecht Gebrauch. Das gebietet mir nicht nur Selbstachtung, sondern auch die Fürsorgepflicht für meine anderen Gäste.

    Im virtuellen Raum ist das nicht anders. Manchmal ist einfach Zeit für „Mutige Schnitte“.

    In diesem Sinne: danke für die konstruktiven Beiträge und alles Gute!

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